Lederherstellung – Von der Rohhaut zum Leder

Die Ledererzeugung ist ein vielfältiger und komplizierter Veredelungsprozess. Ungefähr 40 Verarbeitungsstufen muss eine Haut oder ein Fell durchlaufen, bis aus dem biologischen Rohstoff das Naturprodukt Leder geworden ist. Ein Leder, welches sowohl den Anforderungen der Verarbeiter als auch den vielfältigen und modischen Wünschen der Verbraucher entspricht.

Zur Umwandlung der verderblichen Rohware in beständiges, verkaufsfähiges Leder werden nach wie vor, trotz moderner Gerbverfahren, immer noch mehrere Wochen benötigt. Die Lederherstellung ist ein aufwendiger Verarbeitungsprozess, der viel Sachverstand und Erfahrung beim Gerber erfordert.

Nachfolgend ist der Verarbeitungsprozess vereinfacht dargestellt.

1 - Lagern und Sortieren

Die Rohware wird angeliefert und dann entweder sofort verarbeitet oder in gekühlten Räumen zwischen gelagert.

2 - Weichen

Durch das Weichen wird die Rohware von Schmutz und Konservierungssalz befreit und erhält ihren ursprünglichen Wassergehalt zurück.

3 - Äschern

Durch Zugabe von Kalk und Schwefelverbindungen lösen sich im Äscher die Haare von der Haut. Nach dem Äschern heißt die Haut Blöße.

4 – Entfleischen und Spalten

Beim Entfleischen werden Gewebe-, Fleisch- und Fettreste mit scharfen Messerwalzen entfernt. Um ein gleichmäßig dickes Narbenleder von bestimmter Stärke zu erhalten, wird das Leder gespalten. Das dabei anfallende Spaltleder kann u.a. zu Veloursleder weiterverarbeitet werden.

5 – Beizen, Pickeln, Gerben

Beim Beizen und Pickeln wird die Blöße mit Säure und Salz für die Gerbung aufbereitet. Während des Gerbens nehmen die Hautfasern die Gerbstoffe auf. Damit ist aus der rohen Haut Leder geworden.

6 – Abwelken

Die nassen Leder werden durch Abwelken entwässert.

7 – Falzen

Die Lederstärke ist nach dem Spalten grob vordefiniert. Beim Falzen werden Unebenheiten mit Hilfe von Messerzylindern auf der Rückseite entfernt.

8 – Neutralisierung, Füllen, Färben und Fetten

Die aus der Gerbung stammende Säure wird zunächst neutralisiert. Es folgt, je nach Ledertyp, eine Füllung und das Färben mit wasserlöslichen Farbstoffen. Durch die Zugabe von Fetten wird schließlich die für das Fertigleder geforderte Weichheit erzielt.

9 – Trocknen

Drei unterschiedliche Methoden können zur Trocknung des Leders angewandt werden: das Vakuum-Trocknen bei dem die Feuchtigkeit abgesaugt wird, das Hänge-Trocknen, bei dem die Leder durch Trockenöfen gefahren werden und die Spannrahmentrocknung (Carlessi).

10 – Sortieren

Die Leder werden nach verschiedenen Qualitätskriterien sortiert (z. Bsp. Fehler, Stärken und Verwendung)

11 – Stollen und Walken

Um das Leder nach dem Trocknen weich zu machen, wird es maschinell gewalkt (in Walkfässern) oder mit der Maschine gestollt, um es für die weiteren Arbeitsgängen für die Zurichtung vorzubereiten.

Schnell laufende Walkfässer sorgen für ein Durchwalken der Leder; ebenfalls um die gewünschte Weichheit zu erreichen.

12 – Zurichten

Hier erhält das Leder in einer abschließenden Oberflächenbehandlung sein endgültiges Aussehen. Durch Grundieren, Farbauftrag, Appretieren, Pressen und Bügeln wird dem Leder, je nach den modischen Anforderungen, eine glänzende oder matte, ein- oder mehrfarbige, glatte oder genarbte Oberfläche gegeben. Die Kunst des Zurichtens besteht darin, auf das Leder hauchdünne Schichten aufzubringen, ohne dass die Optik und die geschätzten Eigenschaften wie Geschmeidigkeit und Atmungsfähigkeit beeinträchtigt werden.

13 – Kontrolle

Zwischen allen Arbeitsgängen wird immer wieder die Qualität geprüft. Die Endkontrolle stellt sicher, dass die einzelnen Fertigungspartien in allen Anforderungen dem Ledertyp bzw. der Mustervorlage entsprechen. Dabei werden auch die Leder nach verschiedenen Qualitätsmerkmalen sortiert.

14 – Versand

Die Leder werden elektronisch vermessen, verpackt und gehen in den Versand.